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KIWIT Research Class

Research Class unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Kühl, mit den Mitarbeitern Bernd Eckstein und Dennis Düllmann sowie Prof. Dr. Marcel Schütz.

Digitalisierungsprozesse in Organisationen
einordnen und verstehen

Angebot für Forschende und Nachwuchsforschende

  • Viersemestrige Veranstaltung an der Universität Bielefeld

  • Wöchentliche fokussierte Textdiskussion online

  • Regelmäßige Informationen zu Texten und Autor:innen auf dieser Seite

In dieser auf vier Semester angelegten Research Class werden in einem wöchentlichen Rhythmus rund 100 zentrale Texte zum Themenkomplex Organisation und Digitalisierung diskutiert. Die Research Class ist Teil der Bielefeld Graduate School in History and Sociology und eingebunden in die KIWIT-Forschungsgruppe. Aufgrund der Teilnahme von verschiedenen Standorten wird das Seminar online via Zoom durchgeführt. 


Zu jeder Sitzung wird von allen Teilnehmenden ein ausgewählter Text gelesen und gemeinsam diskutiert. Die vorangehende Lektüre ist für eine sinnvolle Teilnahme erforderlich. Man kann flexibel zu all jenen Terminen und Besprechungen erscheinen, die einen interessieren. Das Forschungsseminar richtet sich zunächst an einschlägig forschende Doktorand:innen der Universität Bielefeld sowie der Projektpartner, ist aber auch für interessierte Master-Studierende und fortgeschrittene Bachelor-Studierende, die bereits das Einführungsmodul Organisationssoziologie belegt haben, geöffnet. Weitere externe Forscher:innen anderer Hochschulen sowie themenbezogen Interessierte sind ebenfalls willkommen. Eine Anmeldung mit kurzen Angaben zu Person und Motivation ist erforderlich (siehe Information unten).

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Die  nächste Research Class betrachtet einen frühen Text aus der Feder  Niklas Luhmanns, der uns bemerkenswert aktuell erscheint: In seinem Buch  „Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung“ analysiert  Luhmann, wie sich automatisierte Entscheidungsprozesse auf die Funktionsweise rechtlicher und administrativer Systeme  auswirken. Schon in den 1960er-Jahren formuliert er die Frage, wie weit  technische Systeme in der Lage sind (und womöglich zukünftig einmal sein  werden), organisatorische Kommunikation bzw. Entscheidungen zu  übernehmen – und wo die Grenzen maschineller Rationalität verlaufen.

Mit seiner Verwaltungsstudie prognostizierte Luhmann 1966 eine Veränderung der Struktur der Verwaltung durch Automation – oder durch Digitalisierung,  wie wir heute eher sagen würden. Was inzwischen fester Bestandteil im  Alltag der öffentlichen Verwaltung und in Organisationen aller Art  geworden ist, wurde damals von der Fachpresse als eine recht kühne  Annahme rezipiert. Gleichwohl erkannte man den Stellenwert der  Untersuchung, wie eine entsprechende Rezension dokumentiert:

„Die Arbeit (...) geht aus von dem derzeitigen Problemstand rechtlicher  Fragen der Automation, um dann in den Kapiteln 'Verwaltung als System  der Entscheidungsfertigung und die Funktion des öffentlichen Rechts' und  'Konditionale Programmierung der juristischen und der automatischen  Entscheidungsprozesse' den anstehenden praktischen Fragen eine  tragfähige theoretische Grundlage zu geben. Diese Kapitel, die  angesichts der durch die Automation vermittelten neuen Perspektiven zu  traditionellen Fragestellungen veranlassen und neue überraschende  Ergebnisse vermitteln, sollte jeder kennen, der an Grundsatzfragen des  öffentlichen Rechts interessiert ist.“ (Adalbert Podlech, in: DER STAAT, 1/1968; vgl. Duncker & Humblot 2025)

Luhmann zeigt auf, dass Automatisierung zwar die Effizienz von Verwaltung steigern kann, zugleich aber das Verständnis von Entscheidung und  Verantwortung verändert. Automatische Verfahren lassen sich dort  sinnvoll einsetzen, wo Entscheidungen vollständig formalisiert sind. In  Organisationen lässt sich allerdings beobachten, dass technische Systeme  im Falle von Auslegungsbedarf, Kontextbezug oder Wertabwägung  an ihre  Grenzen stoßen. Damit wird auf ein Spannungsverhältnis hingewiesen, das  auch für gegenwärtige Diskussionen um algorithmische bzw. KI-assistierte  Entscheidungsverfahren zentral ist: Die Delegation von Entscheidungen  an Maschinen reduziert Komplexität, erzeugt aber Formen der Intransparenz und Verantwortungsdiffusion.

Die zu  besprechenden Kapitel verdeutlichen, dass Automatisierung im  Verwaltungs- bzw. Rechtssystem nicht nur eine technische, sondern vor  allem eine entscheidungsstrukturelle Frage ist: Sie verändert die Art  und Weise, wie Kommunikation organisiert wird, und zwingt dazu, den  Begriff der Rationalität zu überprüfen.

Niklas Luhmann (1927–1998) gilt als einer der einflussreichsten  deutschen Soziologen des 20. Jahrhunderts. Mit seiner  funktional-analytisch orientierten Systemtheorie entwarf  er eine Theorie der modernen Gesellschaft, die soziale Ordnung nicht  über Individuen, sondern über Kommunikation erklärt. Gesellschaft  besteht für Luhmann aus funktional differenzierten Systemen – etwa  Politik, Recht, Wirtschaft oder Wissenschaft –, die jeweils nach eigenen  Codes operieren. Dadurch beschreibt er, wie die moderne Gesellschaft  Komplexität bewältigt und Stabilität erzeugt, ohne zentrale Steuerung  oder gemeinsame Werte vorauszusetzen. Weitere Informationen zu Luhmann  sind hier zu finden.


Dauer

Wintersemester 2025/2026 – Wintersemester 2027/2028

Veranstaltungstermin

Montags, 16:15 (via Zoom)


Seminarregeln

  • Wir beginnen pünktlich um 16:15.

  • Die KIWIT-Research Class – geplant für zwei Jahre – findet während des Semesters jeweils montags, 16.15 bis 18.00, online über den gleichen Link statt (erhältlich nach Anmeldung). Die Grundlage bildet immer ein Text, der von allen Teilnehmenden vor dem Termin gelesen worden ist. Ohne die Lektüre des – manchmal schwierigen – Textes sollte keine Teilnahme erfolgen. 

  • Wer das erste Mal anwesend ist, schreibt bitte in die Chat-Funktion ein paar Worte zu sich: Wo bin ich organisatorisch verortet? Was interessiert mich am Thema Digitalisierung (eventuell besonders an Künstlicher Intelligenz)? Mit welchen einschlägigen Projekten bin ich gerade beschäftigt?

  • Es gibt keine systematische Moderation, sondern die Sprecher:innen-Liste entwickelt sich automatisch über die Melde-/Handhebe-Auswahl auf Zoom.

  • Wir empfehlen das Mikrofon ausgeschaltet zu lassen, wenn wir mehr als fünf Personen sind (dies ist regulär der Fall). Sollten wir zu einem Termin sehr viele Teilnehmende haben, planen wir eine Kleingruppenphase von ca. 20 Minuten ein, um den Text vorzudiskutieren. Die Leitfragen bleiben immer gleich: Was überzeugt? Wo bleiben Zweifel? In Kleingruppen empfehlen wir das Mikrofon eingeschaltet zu lassen.

  • Wenn eingeladene Autor:innen der Texte anwesend sind, bitten wir diese, sich die ersten 60 Minuten in der Diskussion zurückzuhalten. Danach gibt es die Möglichkeit  für eine ausführliche Kommentierung der Diskussion.

Anmeldung

Wenn Sie an einer Teilnahme an der Research Class interessiert sind, schreiben Sie bitte (mit ein paar Angaben zur Person) eine E-Mail an Prof. Dr. Stefan Kühl: stefan.kuehl[at]uni-bielefeld.de. Sie werden dann in den Verteiler aufgenommen.

Neues Spezial

Aktueller Text hier.

Reinhören: Unser neuer Science Podcast ist online.

Aktualisiert am 12.03.26/jb

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