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Fotografiebegeisterter Data Scientist: Fynn-Frithjof Kraft mag Natur, Sport und Film. Bei KIWIT promoviert er in der Informatik. Bild: Privat

Promotion Persönlich

Promovierende und ihr Leben – Folge 1
Auf KI-Reise: Fynn-Frithjof Kraft

Aktualisiert: 11.05.2026, 12:59

Lesezeit: 7 Min.

Von: Red. KIWIT, Justus Donovan Bösch

  • KI-Doktorand Fynn Kraft MSc (30) arbeitete bereits als Consultant

  • Er schätzt den Ausgleich zur Wissenschaft mit Sport und Fotografie

  • Nachwuchsforschern macht er Mut: bei den Zielen am Ball zu bleiben

Moin Fynn!

Moin Justus!

 

Fynn, erzähl doch mal, wie bist Du zu Deinem Studium gekommen?


Zur Informatik bin ich über meine Neugier gekommen, wie ich Computerspiele manipulieren könnte. Damals startete an der Fachhochschule Wedel passenderweise der neue Studiengang Computer Games Technology, was für mich ein sehr greifbares Thema war. Die Entscheidung war ideal, da ich hier komplexe informationstechnische Themen verpackt als visuelle Spielerei gelehrt bekommen habe. Visuelles Feedback begeistert mich noch heute. Alles, was ich programmiere, sehe ich unmittelbar auf dem Bildschirm – das motiviert ungemein und macht auch schwierige Inhalte zugänglich.


In meiner Bachelorarbeit beschäftigte ich mich bereits mit KI und Bilderkennung, und es war wieder ein glücklicher Zufall, dass in meinem Abschlussjahr der Masterstudiengang Data Science and Artificial Intelligence anfing, den ich dann wählte. Spätestens seitdem bin ich KI und Data Science verschrieben.

Was interessiert Dich an der Wissenschaft und einer Promotion?


Nach meinem Studium habe ich drei Jahre als Business-Intelligence-Consultant gearbeitet. Dabei wurde mir zweierlei klar: Viele Unternehmen stehen bei der Digitalisierung noch am Anfang. Gleichzeitig geht die Vorstellung davon, „was KI alles können sollte“, oft weiter als das, was heute verlässlich möglich ist. Ganz besonders, wenn es um Vollautomatisierung geht.

 

Aus dieser Spannung speist sich indirekt schon die Forschungsfrage im Rahmen meiner Doktorarbeit: Wie lassen sich KI-Systeme so gestalten, dass sie in realen Anwendungen verlässlich antworten und echten Mehrwert liefern? Die Promotion gibt mir den Raum, genau daran systematisch zu arbeiten. Fachlich vollendet das Projekt meine KI-Reise von der Anwendungsebene im Studium, zur Entwicklungsebene im Job, hin zur Konzeption der darunterliegenden Methoden als Doktorandenleistung.

Warum hast Du Dich für eine Forschungsgruppe entschieden?


Ich sehe den interdisziplinären Ansatz von KIWIT als große Chance auf gutes Feedback. In der Beratung habe ich erlebt, wie vielfältig Anforderungen und Bewertungskriterien für unterschiedliche Fachbereiche sein können. Diese Vielfalt schärft eine Lösung. Als Informatiker denke ich meist in Laufzeit, Eleganz oder Adaptivität. Aber je mehr man seine Lösung liebt, desto schneller vergisst man, was Kollegen ergänzen können: Transfer, Usability und letztendlich den Impact. Unsere Forschungsgruppe kann sehr ähnlich funktionieren. Mein technischer Teilaspekt im Projekt wird in einen größeren Kontext eingebettet.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?


Der könnte wahrscheinlich nicht langweiliger zu beschreiben sein. Morgens beginne ich mit einem Kaffee im Bett und den Nachrichten, dann setze ich mich an den Schreibtisch und esse Müsli. Aktuell schreibe ich weniger Code, sondern lese mehr: Paper, Newsletter, Journals. Das Feld der KI entwickelt sich momentan wieder unfassbar schnell, und am Ball zu bleiben, ist ein unerlässlicher Teil der täglichen Arbeit. Nicht selten kommt es vor, dass ich erst durch Sekundärliteratur bemerke, dass ich am Morgen eine wichtige Ankündigung übersehen habe.

Was denkst Du über den Umgang mit KI-Entwicklungen in der Gesellschaft?


Ich sehe eine Mischung aus Skepsis und Überdruss gegenüber billigen Lösungen – und gleichzeitig eine unermüdliche Hoffnung, dass KI unseren Alltag wirklich erleichtert. Besonders im Bildungsbereich liegt enormes Potenzial: individuelle Betreuung, adaptive Evaluationen, vereinfachte Recherche. Entscheidend ist aber eine bedachte und pädagogisch sinnvolle Integration, und nicht ein „oben draufsetzen“ oder „alles ablösen“. Aber auch kein Ablehnen. Die richtige Mitte zu finden ist, wie immer, schwer. 

Galerie (klicken/schieben)

Im Hamburger Fecht-Club trifft man unseren Doktoranden auch immer mal an.

Der gebürtige Hamburger studierte Informatik-Programme im Bachelor und Master.

Seit zwei Jahren widmet sich Fynn in der Freizeit einer Hausrenovierung. 

Fynn als Student an seiner ehemaligen Hochschule in Wedel.

 

Was überrascht oder fasziniert Dich an KI besonders?


Zum einen, wie einfach manche Grundregeln scheinen, aber was für eine enorme Tiefe sich entfaltet, sobald man in ein Teilgebiet eintaucht. Zum anderen, wie viel Arbeit und Kreativität global in den Fortschritt fließt, und dass Forschung trotzdem oft eine zufällige Suche bleibt. Wir befinden uns in einem neuen „KI-Sommer“, alle sind wie im Goldrausch, und gleichzeitig müssen wir täglich lernen, wo es überall nicht weiter geht.

Was würdest Du in den nächsten Jahren gern besser verstehen oder lernen?


Ich würde sehr gerne ein intuitives Gespür dafür entwickeln, welche Forschungsrichtungen Hype sind und welche vielversprechend. Alle rennen in alle Richtungen, und überall taucht KI in alten und neuen Anwendungen auf. Ein Gefühl dafür zu haben, ob ein Ansatz es wert ist, Zeit zu investieren, das wäre sehr hilfreich.

Welche Tipps hast Du für andere junge Menschen, die eine Promotion anstreben?

Da habe ich fünf Punkte im Angebot:

  1. Geduld: Es kann halt einfach alles länger dauern.

  2. Commitment: Triff die bewusste Entscheidung und bleib dran.

  3. Struktur: Schritte planen, ToDos definieren, Kalender pflegen.

  4. Umfeld nutzen: Intensiver Austausch lässt einen nebenbei lernen und überprüft, ob man das Thema selbst durchdrungen hat.

  5. Lesen als Routine: Literaturarbeit ist auch in der Informatik kein Extra, sondern Kernarbeit

Wie kannst Du abschalten, wie verbringst du Deine Freizeit?


Bewegung ist mein großer Ausgleich. Ich bin häufig in meinem Fechtverein aktiv, treibe viel Sport und fotografiere Landschaften und Tiere. Dazu kommen viele handwerkliche Projekte, allen voran eine Hausrenovierung, an der ich seit zwei Jahren dran bin. Und wenn ich dann noch Zeit habe, tauche ich gern in Pen & Paper Rollenspiele, Computerspiele, Fantasy und Filme ab.

Hast Du einen Traum bzw. ein Vorhaben, das Du einmal in Angriff nehmen möchtest? 

Es war schon immer mein Traum, auf einer Burg zu wohnen. Kein Schloss, sondern eine echte Burg mit Mauer und Turm. Jetzt, da ich weiß, wie viel Aufwand das Renovieren und dann womöglich das Restaurieren machen, darf sie auch gerne etwas kleiner sein, aber der Traum steht dennoch.

Vielen Dank für das Gespräch!

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