KInote #05 - Droht eine schleichende Machtübernahme?
- Justus Bösch

- 23. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Philosophie über KI im Podcast KInote

Die Ungewissheit der Zukunft Künstlicher Intelligenz
Einblicke in die Wissenschafts- und Technikphilosophie
Zwischen Spekulation und Realismus: Welche Szenarien sind denkbar?
Simon Friederich verbindet Physik und Philosophie. Er hat in beiden Fächern promoviert und lehrt heute als Associate Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Groningen. Seine Arbeitsinteressen reichen von der Quantenphysik und den Multiversumstheorien bis zur Philosophie moderner Technologien und zur Zukunft fortgeschrittener Künstlicher Intelligenz.
Im Gespräch geht es um eine derzeit intensiv diskutierte Sorge: Könnte KI schleichend Macht über zentrale Bereiche unserer Zivilisation gewinnen und schließlich eigene Ziele verfolgen, die sich menschlicher Kontrolle entziehen? Unstrittig ist, dass die Systeme immer leistungsfähiger werden. Welche Folgen daraus entstehen, lässt sich gegenwärtig kaum absehen. Menschen könnten sich jedoch daran gewöhnen, zentrale Aufgaben rund um Wissen Entscheiden an KI zu delegieren – und dabei nach und nach Kontrolle verlieren. Wie wahrscheinlich ein solches Szenario im Zuge weiterer Fortschritte wird, weiß derzeit aber niemand.
Kein einseitiger Pessimismus
Friederich unterscheidet zwei Risiken: Zum einen könnten KI-Systeme selbst immer größere Handlungsspielräume gewinnen. Zum anderen könnten Unternehmen oder Regierungen, die solche Systeme kontrollieren, enorme Machtfülle erlangen. Zugleich vermeidet er einseitigen Pessimismus. Die Geschichte kennt zahlreiche technologische Entwicklungen, die zum gesellschaftlichen Fortschritt beigetragen haben. Friederich versteht sich daher nicht als bloßer Mahner, sondern als Wissenschaftler, der Chancen und Risiken gleichermaßen ernst nimmt.
Ein zentraler Begriff ist „Alignment“: KI-Systeme sollen an menschlichen Zielen und Werten ausgerichtet werden. Doch woran genau, wenn Gesellschaften pluralistisch, widersprüchlich und in ihren Zukunftsvorstellungen uneins sind? Friederich schlägt vor, weiter über die sozio-technische „Symbiose“ von Menschen und KI nachzudenken. Menschen gestalten die Systeme – zugleich verändern diese unsere Routinen, Fähigkeiten und Erwartungen. Schon heute stellt sich die Frage, was geschieht, wenn Schreiben, Argumentieren und andere kognitive Leistungen zunehmend an Sprachmodelle ausgelagert werden.
Zwischen Werkzeug und Machtmittel
In dieser Folge sprechen wir über KI als Werkzeug und Mitspieler, über Machtkonzentration und die offene Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Eine kleine Premiere gibt es: Simon Friederich ist passionierter Privat-Pianist. In der Sendung sind zwei von ihm eingespielte Klavierstücke (Mozart und Schumann) zu hören.
Mit Simon Friederich sprechen Prof. Dr. Marcel Schütz und Co-Host Justus Bösch von der Forschungsgruppe KIWIT.

Dr. Dr. Simon Friederich ist Associate Professor für Wissenschaftsphilosophie am University College Groningen, einer Fakultät der Universität Groningen. Nach seinem Studium der Physik und Philosophie in Göttingen sowie einem Studienaufenthalt in Lausanne wurde er in beiden Fächern promoviert: in Philosophie an der Universität Bonn und in theoretischer Physik an der Universität Heidelberg.
Bevor es ihn 2014 nach Groningen zog, forschte er unter anderem als Postdoc im Projekt „Epistemology of the LHC“ an der Universität Wuppertal, war akademischer Gast an der University of Cambridge und vertrat eine Professur für Theoretische Philosophie an der Universität Göttingen. Heute leitet er das vom niederländischen Wissenschaftsrat NWO geförderte Vidi-Projekt „Saving Reality with Exotic Causality“. Daneben ist er Co-Chefredakteur des Journal for General Philosophy of Science, Associate Editor von Foundations of Physics und externes Mitglied des Munich Center for Mathematical Philosophy.
Weitere Informationen zu dieser Folge:
Zur Webseite von Simon Friederich und vielen weiteren Informationen zur Person, Publikationen und Projekten.
Ein weiteres (Text-)Interview mit Simon Friederich erschien bei n-tv. Einen Vortrag über mögliche Risiken künftiger KI hielt er am Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst.
Anschauliches Lehrvideo mit Simon Friederich zu Quantenphysik im niederländischen Universitätsfernsehen.
Den Podcast begleitet neben den Stücken unseres Gastes erneut der Wiener Komponist Walter Baco am Klavier.
Nächste reguläre Folge am 24. Juli 2026



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