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Ein WiHo-Gesicht – diesmal von KIWIT

Autorenbild: Justus Bösch
Justus Bösch
vor 1 Tag
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Stunden

Im neuen BMFTR-Newsletter Wissenschafts- und Hochschulforschung ist ein Interview mit Projektleiter Marcel Schütz erschienen.


Prof. Dr. Marcel Schütz ist Teil der Projektleitung von KIWIT am Standort Hamburg. (Bild: Privat)
Prof. Dr. Marcel Schütz ist Teil der Projektleitung von KIWIT am Standort Hamburg. (Bild: Privat)

Wir dokumentieren das Interview hier im Wortlaut. Den vollständigen Newsletter des Bundesforschungsministeriums (BMFTR) kann man hier abrufen.


Warum beschäftigen Sie sich mit der Wissenschafts- und Hochschulforschung?


Ich finde es reizvoll, sich als Forscher mit dem Wissenschaftssystem selbst zu befassen, also reflexiv die Grundlagen unseres eigenen Betriebs zu analysieren. Man beschäftigt sich hier mit den Grundsätzen wissenschaftlicher Strukturen; mit der Funktion von Hochschulen, den Bedingungen von Forschung und Lehre, der Rolle von Forschenden und Lehrenden als wissenschaftliche Profession; es geht um Praktiken und Routinen.


Dadurch gewinnt man wertvolle Einblicke in die heterogene Wirklichkeit und das Selbstverständnis verschiedener Fachbereiche und Disziplinen. Es geht um Gemeinsames und Gegensätzliches im Wissenschaftssystem. Angesichts einer fortwährenden Ausdifferenzierung der Wissenschaft, weltweit, ist solch ein Forschungsgebiet natürlich relevant. Und die Palette an Theorien, Methoden und Forschungsfragen ist groß.


Was sind die Themen, an denen Sie in der Vergangenheit gearbeitet haben?Was sind die Themen, an denen Sie in der Vergangenheit gearbeitet haben?


In meiner Anfangszeit in der WiHo-Forschung habe ich mich mit der Struktur und Wirkung von Hochschulräten befasst, dann u. a. mit Personalmanagement und Personaldezernaten an Hochschulen (vor der Promotion war ich selbst Personaler und Organisationsberater in großen Unternehmen), im Weiteren mit informellen Projektstrukturen in der Wissenschaft. In den vergangenen Jahren ging es in einem BMFTR-Projekt um Professuren an Privathochschulen. Jetzt in der Forschungsgruppe „KIWIT“ arbeite ich mit Kolleg:innen zu den Folgen Künstlicher Intelligenz für Lehre, Forschung und Hochschulsteuerung.


Die Rubrik „Ein WiHo-Gesicht“ im Newsletter des BMFTR


Diesmal: Prof. Dr. Marcel Schütz, Forschungsprofessor für Organisation und Management, Mitglied der KIWIT-Projektleitung, NBS Northern Business Hamburg



Mein fachlicher Hintergrund liegt in der soziologischen Organisationsforschung. Daraus resultiert mein besonderes Interesse am Spannungsfeld von formaler und informaler Organisation und an Entscheidungsstrukturen. Als Organisationsforscher interessiert mich aber die ganze Bandbreite in der Gesellschaft, also auch Unternehmen, Verwaltungen, der Umgang mit Innovationen und Technologien. WiHo ist und bleibt für mich jedoch „ein Stück Heimat“. Dort kommt man sozusagen her – und dort zieht es einen immer wieder hin.


Wenn Sie sich ein Thema der Wissenschafts- und Hochschulforschung aussuchen könnten, an dem Sie die nächsten zehn Jahre arbeiten dürften: Welches wäre das?dem Sie die nächsten zehn Jahre arbeiten dürften: Welches wäre das?


In zehn Jahren passiert viel. Ich kann ein paar Punkte nennen. Ich möchte mich vor allem mit Universitätsstrukturen weiter befassen, wie sich Universitäten in den gegenwärtigen

Veränderungsprozessen weiterentwickeln, auch hinsichtlich der Wissenschaftsfreiheit, die mancherorts auf die Probe gestellt wird. Dann ist Künstliche Intelligenz im Wissenschaftsbetrieb ein großes Thema in unserer Forschungsgruppe, die noch einige Jahre intensiv daran arbeiten möchte.


Wie KI das Denken und Untersuchen beeinflusst – das ist, ganz klar, für uns Wissenschaftler eine Herausforderung. Allerdings wird in Geistes- und Naturwissenschaften verschieden über den Umgang mit KI nachgedacht und man schaut mit unterschiedlichem Problemverständnis darauf. Das gehört meines Erachtens auf jeden Fall weiter untersucht, inwiefern die Wissenschaft bei diesem Thema überhaupt noch eine annähernd gemeinsame Sicht hat und wie sich der Umgang mit KI darstellen wird.


Auf welches Ihrer Projekte sind Sie besonders stolz?


Ich bin sehr zufrieden, dass wir mit der Forschungsgruppe KIWIT einen spannenden Verbund so unterschiedlicher Leute aus der Wissenschaft einrichten konnten. Wir sind Geistes-, Sozial-, Natur- und Informatikwissenschaftler:innen. Das ist für den WiHo-Kontext schon besonders. Hervorheben möchte ich, dass wir in diesem Rahmen eine ambitionierte Wissenschaftskommunikation betreiben. Mit dem Wissenschaftspodcast „KInote“ sowie mit Themenspezialen, Vernetzungs- und Dialogformaten – mit anderen Hochschulen und Forschenden. Das soll noch deutlich ausgebaut werden. Stolz sind wir dann hoffentlich in drei Jahren, wenn die erste Förderphase mit vielen Ergebnissen gemeistert ist.


Wie sieht für Sie die Hochschule der Zukunft aus?


Die Hochschule der Zukunft sollte eine sein, in der „natürliche Intelligenz“ immer noch den Kern der Wissensgenerierung ausmacht und in der man mit Bedacht und souverän die Technologie nutzt, ohne eigenes Denken und Erkenntnisfreude an Maschinen zu delegieren. Ich denke, dass wir ein wenig aufpassen müssen, unsere menschliche Geisteskraft nicht auf bequemem Wege freiwillig zu beschneiden oder verkümmern zu lassen. Wenn nicht die Wissenschaft sich die Freude am eigenen Grübeln und Schreiben erhält, wer dann?


Der Newsletter erscheint dreimal jährlich im Förderschwerpunkt Wissenschafts- und Hochschulforschung (WiHo) des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). In jeder Ausgabe wird ein Gesicht aus der WiHo-Forschung vorgestellt.


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